Robbe vs. Taucherkrankheit


Wenn die Tiefe keine Gefahr ist.


Mit jedem weiteren Meter unter der Wasseroberfläche steigt der Umgebungsdruck. Was beim Abstieg kaum spürbar ist, wird beim Auftauchen für Menschen lebensbedrohlich. Erfolgt der Aufstieg zu schnell, können sich in Blut und Gewebe Gasblasen bilden – die Ursache der sogenannten Taucherkrankheit.

Wasserlebende Säugetiere wie Robben, Seelöwen und Wale scheinen dieses Problem nicht zu kennen. Sie tauchen hunderte oder sogar tausende Meter tief, bleiben lange unter Wasser und kehren anschließend mühelos an die Oberfläche zurück. Ohne Dekompressionsstopps. Ohne Beschwerden.

Wie gelingt ihnen das?

Die Antwort liegt in einer außergewöhnlichen Anpassung ihres Körpers. Im Laufe der Evolution haben Meeressäuger Mechanismen entwickelt, die sie vor den Folgen des enormen Wasserdrucks schützen. Einer davon ist so effektiv, dass er bis heute Forschende aus Tauchphysiologie, Medizin und Biologie fasziniert. Er zeigt eindrucksvoll, wie die Natur Lösungen hervorgebracht hat, die auch noch für die moderne Wissenschaft von großem Interesse sind.

Die unsichtbare Gefahr

Während eines Tauchgangs passt sich der menschliche Körper kontinuierlich an den steigenden Umgebungsdruck an. Dabei löst sich zunehmend Stickstoff aus der eingeatmeten Luft im Blut und den Geweben des Körpers. Solange die tauchende Person in der Tiefe bleibt, geht davon keine Gefahr für sie aus.

Kritisch wird es erst beim Auftauchen. Sinkt der Umgebungsdruck zu schnell, kann der im Körper gelöste Stickstoff nicht rasch genug über die Lunge abgeatmet werden. Stattdessen bilden sich feine Gasblasen im Blut und den Geweben. Je nachdem, wo sie entstehen, verschließen sie Blutgefäße, schädigen Nerven oder beeinträchtigen sie die Funktion von Organen. Die Folge ist die sogenannte Taucherkrankheit.

Aus diesem Grund gehören langsame Aufstiege und Dekompressionsstopps zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen beim Tauchen. Sie geben dem Körper genügend Zeit, den gelösten Stickstoff kontrolliert wieder abzugeben.

Doch genau hier liegt der Unterschied. Robben, Seelöwen und Wale tauchen regelmäßig in große Tiefen und steigen ohne Dekompression wieder auf. Trotzdem scheinen sie vor der Taucherkrankheit geschützt zu sein. Wie schafft ihr Körper das?

Das Geheimnis der Meeressäuger

Selbstverständlich unterliegen Meeressäuger denselben physikalischen Gesetzen wie der Mensch. Auch in ihrem Körper löst sich unter steigendem Druck im Blut Stickstoff aus dem Luftreservoir in der Lunge. Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer angepassten Anatomie und Physiologie. Meeressäuger verfügen außerdem über besonders flexible Brustkörbe und mit zunehmender Tauchtiefe werden die Lungen der Tiere durch den steigenden Wasserdruck immer stärker zusammengedrückt. Ab einer bestimmten Tiefe kollabieren die Lungenbläschen teilweise, der Gasaustausch zwischen Lunge und Blut kommt nahezu zum Erliegen. Und genau das schützt die Tiere.

Da nur wenig Stickstoff aus der restlichen Lungenluft ins Blut übergeht, kann sich auch nur eine begrenzte Menge im Körper anreichern. Leistungsfähige Sauerstoffspeicher in Muskeln und Blut sowie ein verlangsamter Herzschlag während des Tauchens unterstützen diesen Effekt und sorgen dafür, dass die Tiere auch extreme Tauchtiefen sicher bewältigen. Beim späteren Auftauchen ist das Risiko einer gefährlichen Gasblasenbildung deshalb extrem gering.

Was Forschende von Robben lernen

Robben gehören zu den beeindruckendsten Tauchspezialisten der Natur. Ihre Fähigkeit, selbst große Tiefen sicher zu erreichen und wieder aufzutauchen, macht sie seit Jahrzehnten zu einem wichtigen Forschungsobjekt. Denn wer versteht, wie ihr Körper mit hohem Druck und begrenztem Sauerstoff umgeht, gewinnt zugleich neue Erkenntnisse über grundlegende physiologische Prozesse.

Im Fokus stehen dabei unter anderem der reduzierte Gasaustausch in der Lunge, die Sauerstoffversorgung von Muskeln und Organen sowie die Anpassung des Herz-Kreislauf-Systems während langer Tauchgänge. Moderne Analyseverfahren ermöglichen es heute, diese komplexen Mechanismen bis hin zur molekularen Ebene zu untersuchen und ihre Bedeutung für die Tauchphysiologie besser zu verstehen.

Diese Erkenntnisse liefern wertvolle Impulse für die medizinische und biologische Forschung. Gleichzeitig zeigen sie eindrucksvoll, dass die Natur oft Lösungen bereithält, die erst durch wissenschaftliche Forschung vollständig verstanden werden können.

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Quellen:

https://www.spektrum.de/news/lungenkollaps-rettet-robben-vor-taucherkrankheit/1165262

https://www.gtuem.org/tauchmedizin/sh-15.html

https://flexikon.doccheck.com/de/Taucherkrankheit

https://natur.de/artikel/warum-seeloewen-keine-taucherkrankheit-bekommen

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