Pflanzliche Selbstheilungskräfte und was wir von ihnen lernen können


Was Schlauchboote mit Lianen zu tun haben und warum wir der Pflanzenwelt dankbar sein können

Wenn wir hinfallen und uns das Knie aufschürfen, kleben wir ein Pflaster drauf und nach einigen Tagen ist das Knie wieder heile. Wussten Sie, dass Pflanzen das auch können? Also jetzt nicht das mit dem Pflaster aufkleben. Aber auch Pflanzen können sich selbst heilen – und das auf spektakuläre Weise. Was Korbmaranthen mit Handydisplays und Lianen mit Schlauchbooten zu tun haben, erfahren Sie in unserem neuen Blogartikel. Viel Spaß beim Lesen!

Wir kennen es alle: Eine Sekunde nicht aufgepasst und wumms, liegt das Handy auf dem Boden. Beim geschmierten Toastbrot hoffen wir, dass es nicht auf der Marmeladenseite landet, beim Handy hoffen wir, dass es nicht auf dem Display landet. Aber meistens tut es das doch. Die Konsequenz: die sogenannte Spider App, also Risse auf dem Display. Wie praktisch es doch wäre, wenn unser Handy die Kraft hätte, sich selbst zu heilen. Wenn die Risse auf wundersame Weise einfach zusammenwachsen würden. Wir würden uns viel sparen: Nerven und Geld. Aber wie könnte so eine spontane Selbstheilung aussehen?

Die Antwort: wie bei einer bestimmten Pflanze aus der Familie der Pfeilwurzgewächse, der Calathea roseopicta, zu Deutsch ‚Korbmaranthe‘. Diese brasilianische Schönheit hat nämlich ein besonderes Talent. Dank einer super dünnen Wachsschicht auf ihren immergrünen Blättern kann sie kleine Wunden schnell versiegeln.1 Wie das funktioniert? Die Wachsschicht wächst an der verletzten Stelle nach, indem sich zunächst Wachskristalle bilden, die im Anschluss zu kleinen Wachsinseln zusammenwachsen und sich ausbreiten. Die Wachsschicht ist eigentlich dafür da, dass Schmutz abperlt und Bakterien gar nicht erst auf die Idee kommen, sich auf der Pflanze anzusiedeln. Was also, wenn wir so eine Schicht auf unserem Handy hätten? Wäre es möglich? Bleibt abzuwarten – geforscht wird bereits in die Richtung. Ein Forscherteam der Yonsei Universität und das Korea Institute of Science and Technology hat etwas Ähnliches erfunden – mit Leinöl.2 Den Abperleffekt kennen wir auch als ‚Lotuseffekt‘ und benutzen ihn teils auch an unseren Hauswänden. Es gibt Fassadenfarben, die dafür sorgen, dass Schmutz an den Wänden einfach abperlt.

Übrigens: Das Abperlen hat der Lotus nicht für sich alleine, das können auch hiesige Pflanzen wie Kohl, Tulpen und Kapuzinerkresse.

Aber nicht nur das haben wir uns von der Pflanzenwelt abgeguckt. Auch von den Lianen haben wir etwas gelernt. Wenn die wachsen, reißen nämlich die äußeren Schichten des Pflanzengewebes oft ein. Wer jetzt denkt, das war’s für die Liane, liegt falsch! Denn die fackelt nicht lange und leitet den pflanzlichen Reparaturmechanismus ein. Das nebenan liegende Grundgewebe der Pflanze dringt in den Riss ein und verschließt ihn schnurstracks. Die Grundgewebezellen teilen sich und die Verletzung wird abgedichtet.3 Ziemlich beeindruckend! Das fanden auch Forscher der Uni Freiburg und übertrugen das Pflanzenpflaster-Prinzip auf luftgefüllte Strukturen, also Matratzen, Schlauchboote, Reifen und so weiter. In dem daraufhin entwickelten Polyurethanschaum herrscht Überdruck. Besagter Schaum wurde auf diverse Membranen aufgetragen. Wenn die verletzt wurden, quoll der Schaum direkt in den Riss, also die „Verletzung“, und siehe da – er wurde verschlossen. Es ist also an dieser Stelle mehr als angebracht: Ein herzliches Dankeschön an die Pflanzenwelt!

Quellenangaben

1 https://www.jugend-forscht.de/projektdatenbank/pflanzliche-selbstheilung-unter-dem-mikroskop.html

2 https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1359836820335009?via%3Dihub

3 https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/journal/wundheilung-von-lianen-abgeguckt-741

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